Agua de Beber …

… ist portugiesisch und heißt „eigentlich“ Wasser zum Trinken. Aber was das gleichnamige Trio mit Irmgard und Peter Formes und Richard Sälzer gemeinsam mit der Gastsängerin Ursula Yogeshwar an diesem Novemberabend im Landgasthaus Herchenbach servieren, hat viel mehr den Namen „Lebenswasser“ verdient.

Mit einer wunderbaren Leichtigkeit präsentieren sie Musik aus allen Ländern der Erde, die eines gemeinsam haben: Rhythmus. Ob es das „Girl from Ipanema“ ist, „Sunny“, „Route 66“ oder „Every little thing“ – alle Songs gehen direkt in’s Blut und in die Füße. Beeindruckend ist nicht nur die wunderbare Stimme von Irmgard Formes, sondern auch ihre Sprachbegabung, die sie von deutsch zu englisch zu französisch zu portugiesisch und zurück zu deutsch wechseln lässt. Jedes Lied bekommt auch dadurch eine ganz eigene Bedeutung. Noch intensiver wird das Ganze, wenn es zum zweistimmigen Gesang von Irmgard Formes und Ursula Yogeshwar kommt – einfach nur schön.

Die beiden werden wunderbar begleitet von Peter Formes auf einer seiner 4 Gitarre und Richard Saelzer auf seinen Percussion, die nicht nur toll klingen, sondern auch noch klasse aussehen. Beide Männer sind Meister an ihren Instrumenten und es macht einfach Freude, ihnen zuzuhören. Das zeigt sich besonders beeindruckend beim letzten Stück vor der Pause, dass die beiden instrumental spielen – „You are the sunshine of my life“.

Nach einer ebenfalls instrumentalen Eröffnung des 2. Teils erzeugt „Groovin“ eine Gänsehautstimmung. Und dann besingt Irmgard Formes die Vorteile des Single-Lebens mit dem Song „I wish I was a single girl“. Zum Beweis, dass es sich nur um ein Lied handelt, wird Ehemann Peter sofort nach dem Lied geküsst – zu zweit ist es halt „in echt“ viel schöner. Was die beiden Sängerinnen im anschließenden „How deep is your love“ unter Beweis stellen – ich habe diesen alten Titel der Bee Gees noch niemals so zart und gefühlvoll interpretiert gehört.

Das anschließende Solo von Peter Formes ist für ihn und die Saalgäste eine Uraufführung des Stückes „Summer breeze“ des Siegener Komponisten Peter Autschbach. Es ist gleichzeitig ergreifend und belebend.

Nach diesem wunderschönen leisen Stück beweisen die beiden Sängerinnen mit Charme ihr Durchsetzungsvermögen, denn sie schaffen es, denn zufällig als Gast anwesenden Leadsänger Stephan Hierl der legendären Band „East of Thirty“ auf die Bühne und vor ein Mikrophon zu bekommen. „Wasted on the way“ ertönt dann 3-stimmig und macht einfach gute Laune.

Aber das macht der ganze Musikabend ohnehin, was auch daran zu merken ist, dass die Gäste der Musik intensiv zuhören. Das Kompliment von Peter Formes „ Ihr seid ein wunderbares Publikum – denn Ihr hört zu“ kann ich nur unterschreiben und bedanke mich an dieser Stelle beim besten Publikum der Welt an diesem Abend.

Ein ganz besonderer Dank geht aber an die 4 Sänger-Musiker, die mir persönlich bei der allerletzten Zugabe eines besonderen Wunsch erfüllt haben. Denn sie haben noch einmal den hinreißenden Titel „Die Wahrheit“ von Ester und Abi Ofarim aus dem Jahr 1966 auf die Bühne gebracht. Sehr eindrucksvoll und mit dem Mut zur Verkleidung mit Schnauzbart und Hut sowie pinkfarbener Schürze und Kopftuch.

Trotz der Äußerung der Künstler, dass dieses Lied nicht auf ihrer Setlist steht und sie es zum letzten Mal gespielt hätten, bin ich angesichts der totalen Begeisterung des Publikums sicher, dass es die ideale, weil konträre Zugabe nach einem eher ruhigen, aber wunderschönen und eindringlichen Musikabend mit 4 begeisterten und wunderbaren Musikerinnen und Musikern ist.

Ein ganz großes Dankeschön an Irmgard Formes, Ursula Yogeshwar, Peter Formes und Richard Saelzer – wir nehmen Euch jederzeit wieder mit offenen Armen und Ohren.