Margie Kinsky

… ist der Titel des 1. Soloprogramms der Kultfigur aus dem Ensemble des Springmaus-Improvisationstheaters.
Und sie legt an diesem Abend sofort los mit einem Feuerwerk an guter Laune, Temperament und Lebensklugheit. Ich habe lange überlegt, mit welchem Wort man diese Frau beschreiben kann: Vulkan oder Feuerwerk oder Wasserfall. Sie ist alles und mehr, nämlich eine wunderbare, kluge, lebenserfahrene Künstlerin mit ganz viel Herz, die einen sofort für sich einnimmt.

Als Margie berichtet sie aus ihrem Alltag mit einem Mann, sechs Söhnen und einigen Freundinnen. Mit denen sie schon mal bei Starbucks in Ruhe einen Kaffee mit Klatsch genießen will, würde da nicht eine Übermutti am Nachbartisch sitzen, von deren Tochter alle im Starbucks nach 4 Minuten 27 mal gehört haben, dass die „Charlotte“ heißt. Margies Wutausbruch gegen die Übermami spricht vielen Eltern aus der Seele.

Einen der Väter holt sie sich anschließend auf die Bühne und beweist ihm und allen anderen Gästen, dass ein Kind IMMER erfolgreich ist gegen Papa oder Mama im Kampf um den Zwangskauf von Überraschungseiern, die ja an jeder Supermarktkasse lauern. Michael hat zwar 28 Argumente gegen den Kauf der Süßigkeit, aber das Kind Margie hat mindestens 56 Gegenargumente – und bekommt natürlich die Ü-Eier.

In der folgenden Szene erscheint Margie in der Rolle der frustrierten Endenicher Hausfrau Marita Nettekoven, die den Möpp = Blues hat, weil ihr Ehemann offenbar ihren Vornamen vergessen hat. Stattdessen heißt sie „Sachma“ (… wo sind die Socken) oder „Tumer“ (… noch watt von der Sooss). Ihre Rache besteht aus einem Härtetest der ehemännlichen Kreditkarte, die an dem Tag in der Bonner City heiß läuft. Sie kauft alles nach dem Motto „Brauchste nit, willste aber haben“ und erholt sich im Anschluss beim Tchibo, wo die Eierschneider sinnigerweise direkt neben den Boxershorts zu finden sind.

Mit einer irrwitzigen Szene über eine Schnäppchenjägerin geht Margie in die Pause, um ihren Fans die verdiente Atempause zu verschaffen.

Den Einkaufsfaden nimmt sie im 2. Teil sofort wieder auf, als die Italienerin Maria den Umtausch einer Bluse beschreibt. Die Bluse ist 4 Wochen alt und hat einen Fleck. Der Saal platzt beinahe vor Lachen, als Maria erzählt, wie es zu diesem Fleck gekommen ist und dass es in Italien völlig normal ist, getragene Kleidung umzutauschen. Man leistet sich also einmal eine teure Klamotte, zieht sie bei einer Hochzeit an und tauscht sie dann um, weil man für den Theaterbesuch schließlich was Neues braucht. Basta.

Der deutsche Verkäufer sieht das ganz anders – aber: Er hat gegen Maria keine Chance, als sie ihm ihr Schlussargument ins Gesicht schleudert: „Du hast was gegen Ausländer.“ Sie bekommt – natürlich – ihr Geld zurück und die Bluse dazu, weil die mit dem Fleck sowieso unverkäuflich ist. Das ist ja sogar noch besser als in Italien.

Weitere Episoden aus dem Leben einer Mutter erzählt Margie in ihrer unvergleichlichen Art, so die Szene, als Mama an den Labtop des pubertierenden Sohnes geht und damit völlig neue Seiten am Sohnemann kennen lernt. Oder die Beschreibung eines Bastelnachmittags im Kindergarten, wo es um die Anfertigung einer Martinslaterne geht. Zum Brüllen komisch – aber: Real.

Im wahrsten Sinne des Wortes unbeschreiblich ist aber für mich die Geschichte vom Krippenspiel, die Maria Nettekoven erzählt. Wenn man von einem Lachkrampf ohne Pause in den nächsten fällt, dann kann man sich nun wirklich keine Notizen machen. Das müssen Sie selbst sehen und hören.

Deshalb kann ich nur empfehlen: Schauen Sie sich Margie Kinsky in diesem 1. Soloprogramm und den vielen, die hoffentlich noch folgen, an und verbringen Sie einen wunderbaren Abend mit einer phantastischen Frau-Künstlerin-Mutter-Erzählerin-Freundin.

Alle Gäste im ausverkauften Eischeider Festsaal gehen nach diesem Abend mit einem Lächeln nach Hause. Und dieses Lächeln wird eine ganze Zeit anhalten – da bin ich sicher.

Mille Grazie an Margie Kinsky aus Rom-Prag-Endenich für einen wunderbaren Abend.